Neurozentriertes Training und ISG

ISG-Beschwerden verstehen: Warum das Iliosakralgelenk oft nicht die ganze Geschichte erzählt.

Viele Menschen vermuten hinter Schmerzen im unteren Rücken oder Gesäßbereich eine Blockade des Iliosakralgelenks (ISG). Neurozentriertes Training betrachtet nicht nur das Gelenk selbst, sondern auch die Rolle von Nervensystem, Bewegungskontrolle, Gleichgewicht und Körperwahrnehmung.

21 Tage mehr Beweglichkeit

Was ist das ISG überhaupt?

Das Iliosakralgelenk verbindet Becken und Kreuzbein. Es bewegt sich nur in einem sehr kleinen Bewegungsumfang, übernimmt aber eine wichtige Rolle bei der Kraftübertragung zwischen Oberkörper und Beinen.

Beschwerden im Bereich des ISG können sich als Schmerzen im unteren Rücken, Gesäß, Hüfte oder sogar bis ins Bein bemerkbar machen. Häufig werden diese Beschwerden als „ISG-Blockade“ bezeichnet.

Aus heutiger Sicht ist die Ursache jedoch oft komplexer. Schmerzen entstehen selten ausschließlich durch eine kleine Veränderung in der Gelenkstellung.

Warum das Nervensystem eine wichtige Rolle spielt

Bewegung entsteht nicht im Gelenk, sondern im Gehirn. Das Nervensystem verarbeitet ständig Informationen aus Muskeln, Gelenken, Gleichgewichtssystem, Augen und Umgebung.

Wenn diese Informationen als unsicher oder unklar bewertet werden, kann das Gehirn Schutzmechanismen aktivieren. Dazu gehören unter anderem erhöhte Muskelspannung, veränderte Bewegungsmuster oder Schmerz.

Das bedeutet nicht, dass Schmerzen „eingebildet“ sind. Vielmehr versucht dein Nervensystem, dich zu schützen.

Neurozentriertes Training setzt genau hier an und fragt: Welche Informationen fehlen dem Gehirn möglicherweise, um Bewegung wieder sicherer einzuschätzen?

Drei Faktoren, die ISG-Beschwerden beeinflussen können

Bewegungswahrnehmung

Das Gehirn benötigt präzise Informationen aus Becken, Hüfte und Wirbelsäule. Fehlen diese Informationen, können Schutzspannung und Unsicherheit zunehmen.

Gleichgewicht

Das Gleichgewichtssystem beeinflusst Haltung, Stabilität und Muskelaktivität. Veränderungen können sich bis in den unteren Rücken auswirken.

Atmung

Atmung beeinflusst Rumpfstabilität, Spannung und Belastungsverteilung. Viele Menschen mit Rückenbeschwerden zeigen veränderte Atemmuster.

Typische Situationen im Alltag

  • Schmerzen beim langen Sitzen.
  • Beschwerden nach dem Aufstehen.
  • Einseitige Schmerzen im Gesäßbereich.
  • Unsicherheit bei Drehbewegungen.
  • Probleme beim Gehen oder Treppensteigen.
  • Das Gefühl, dass „etwas blockiert“ ist.
  • Wiederkehrende Beschwerden trotz Dehnen oder Mobilisieren.

Zwei einfache Impulse für mehr Sicherheit

Gewichtsverlagerung im Stand

Verlagere dein Gewicht langsam von einer Seite auf die andere und beobachte, wie sich Becken, Hüfte und Rücken dabei anfühlen. Ziel ist Wahrnehmung, nicht maximale Bewegung.

Atmung im unteren Brustkorb

Lege die Hände an die unteren Rippen und beobachte, wie sich die Atmung seitlich ausdehnt. Eine ruhigere Atmung kann Spannung und Körperwahrnehmung beeinflussen.

Häufige Fragen

Gibt es wirklich eine ISG-Blockade?

Das ISG kann in seiner Beweglichkeit variieren. Die Vorstellung einer dauerhaft „verschobenen“ oder „ausgerenkten“ Position wird jedoch wissenschaftlich kritisch betrachtet. Beschwerden entstehen meist durch mehrere Faktoren gleichzeitig.

Kann das Nervensystem ISG-Schmerzen beeinflussen?

Ja. Schmerz entsteht im Zusammenspiel von Gewebe, Nervensystem, Erfahrungen, Belastung und Kontext. Deshalb kann die Qualität der Informationen, die das Gehirn erhält, eine Rolle spielen.

Muss das Gelenk eingerenkt werden?

Viele Menschen erleben kurzfristige Erleichterung durch manuelle Techniken. Langfristig sind jedoch Bewegungskompetenz, Belastbarkeit und ein besseres Verständnis des eigenen Körpers oft entscheidender.

Verwandte Themen

Passender Onlinekurs

21 Tage mehr Beweglichkeit

Im 21 Tage Programm lernst du, wie Gleichgewicht, Atmung, Augen und Körperwahrnehmung deine Beweglichkeit beeinflussen können. Die Übungen dauern nur wenige Minuten pro Tag und lassen sich leicht in den Alltag integrieren.

Zum 21 Tage Programm

Weiterlesen

Du möchtest deine ISG-Beschwerden besser verstehen?

Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam darauf, welche Faktoren bei dir eine Rolle spielen könnten und welche nächsten Schritte sinnvoll sind.

Kostenloses Erstgespräch